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Ein urteilsfähiger Intellekt

Ein fühlendes Herz

Ein gesunder Körper

 

 
 

... aus Kosmokonzeption (Max Heindel)

Die Symbolik des Rosenkreuzes


Oceanside

Wenn nach dem Sinn irgendeines okkulten Mythos, einer Legende oder eines Symbols gefragt wird, so gilt es zu verstehen, dass man es wie bei jedem Gegenstand der dreidimensionalen Welt von allen Seiten zu betrachten hat, um darüber ein volles Verständnis zu gewinnen, da alle Symbole eine Anzahl von Aspekten haben. Alle Symbole können von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet werden, ein jeder enthüllt eine bestimmte Phase, wenngleich auch alle Gesichtspunkte beachtenswert sind.

Als Ganzes betrachtet enthält dieses wundervolle Symbol zusammen mit der Methode der Vollendung den Schlüssel zur vergangenen Entwicklung, gegenwäĀŠrtigen Zusammensetzung und künftigen Entfaltung des Menschen. Wird es mit einer einzigen Rose im Mittelpunkt dargestellt, symbolisiert es den Geist (spirit), der aus sich die vier Träger, genau gesagt den dichten Körper, den Lebensleib, den Empfindungsleib und den Intellekt ausstrahlt. Der Geist (spirit) ist in seine Träger eingetreten und ein innewohnender menschlicher Geist geworden. Doch es gab eine Zeit, in welcher der dreifache Geist (spirit) über seinen Trägern schwebte und unfähig war, in sie einzudringen. Damals stand das Kreuz ohne die Rose da und symbolisierte das früheste Drittel von Atlantis.

Es gab eine Zeit, in der das oberste Glied des Kreuzes fehlte, und der Zustand des Menschen durch das Tau (T) dargestellt wurde. Das war die Zeit der lemurischen Epoche, als der Mensch nur den dichten Körper, den Lebensleib und den Empfindungsleib besaß, und ihm der Intellekt noch fehlte. Damals herrschte die Tiernatur vor. Der Mensch folgte schrankenlos seiner Begierde. In einer noch frĀŸheren Zeit, in der hyperboreischen Epoche, fehlte ihm auch noch der Empfindungsleib. Er besaß damals nur den dichten Körper und den Lebensleib. Der werdende Mensch war wie die Pflanze: keusch und ohne Begierde.

Zu dieser Zeit konnte seine Zusammensetzung nicht durch ein Kreuz dargestellt werden. Sein Symbol war daher ein gerader Schaft, ein Pfeiler (I).

Dieses Zeichen wurde als ein phallisches Emblem angesehen, das die Zügellosigkeit des Volkes zeigte, das dieses Zeichen verehrte. Tatsächlich ist es ein Zeichen der Zeugung, doch ist Zeugung keineswegs identisch mit Entwürdigung, im Gegenteil. Der Pfeiler ist das untere Glied des Kreuzes und symbolisiert den werdenden Menschen in seinem pflanzenähnlichen Zustand.

Die Pflanze ist leidenschaftslos, begierdenlos und unschuldig am Übel. Sie zeugt und pflanzt ihre Art auf eine so reine und keusche Weise fort, dass sie, richtig verstanden, ein Vorbild für die gefallene und leidenschaftliche Menschheit ist, die in ihr ein Ideal verehren sollte. Zu diesem Zweck wurde sie auch den früheren Menschen als Vorbild gegeben.

Der Phallus und die Yona, die in den griechischen Mysterientempeln als Symbol gebraucht wurden, waren von den Hierophanten in diesem Geist gegeben worden; über dem Tempel standen die rätselhaften Worte: "Mensch, erkenne dich selbst", ein Motto, das, richtig verstanden, gleichbedeutend mit dem Rosenkreuz ist, denn es zeigt, warum der Mensch in Begierde, Leidenschaft und Sünde fiel, und gibt den Schlüssel zur Befreiung auf dieselbe Weise, wie die Rosen am Kreuz den Pfad der Befreiung weisen.

Die Pflanze ist unschuldig, aber nicht tugendhaft. Sie hat weder Begierde noch Wahl. Der Mensch hat beides. Er kann je nach Belieben seiner Begierde folgen oder nicht, damit er lernt, sich selbst zu beherrschen.

Als er pflanzenähnlich und hermaphrodit war, konnte er aus sich selbst, ohne die Beihilfe eines anderen zeugen. Er war keusch und unschuldig wie die Pflanze. Er war aber auch so unbewusst und träge wie sie. Um sich zu entwickeln, musste er die Begierde kennenlernen, die ihn anspornt, und überdies einen Intellekt erwerben, der ihn leitet. Daher wurde seine schöpferische Kraft zurückgehalten, um ein Gehirn und einen Kehlkopf zu erbauen. Damals hatte er eine runde Gestalt, die ähnlich der des Embryo war. Der gegenwärtige Kehlkopf war ein Teil der Zeugungsorgane, der sich an den Kopf anschloss, als der Körper sich streckte. Die Verbindung von beiden zeigt sich noch heute, denn der Knabe, der den positiven Pol der Zeugungskraft ausdrückt, verändert beim Eintritt in die Pubertät seine Stimme.

Wenn wir beachten, dass dieselbe Kraft nach außen gerichtet, dem Aufbau eines neuen Körpers dient, und wenn sie zurückbehalten wird, das Gehirn erbaut, dann verstehen wir, dass sexuelle Manie zu Geisteskrankheit führt und dass der tiefe Denker wenig zu sexueller Betätigung neigt. Denn er verwendet seine gesamte schöpferische Kraft dazu, Gedanken zu erzeugen, anstatt sie zur Befriedigung der Sinne zu verschwenden.

Zu der Zeit, als der Mensch begann, zum obenerwähnten Zweck seine Zeugungskraft zurückzuhalten, war sein Bewusstsein noch nach innen gerichtet, um Organe zu erbauen. Er war damals fähig, die Organe zu sehen. Unter der Anleitung schöpferischer Hierarchien verwendete er dieselbe Kraft, um Organe zu entwerfen und den Entwurf auszuführen, die er heute in der äußeren Welt zum Entwerfen von Luftschiffen, Häusern, Automobilen, Telefonen usw. verwendet. Damals war er sich dessen nicht bewusst, wie diese andere, halbe schöpferische Kraft nach außen gesandt und zur Erzeugung eines andern Körpers verwendet wurde.

Die Zeugung erfolgte unter Führung der Engel. Zu gewissen Zeiten des Jahres vereinigten sie die werdenden Menschen in großen Tempeln, um dort den Zeugungsakt zu vollziehen. Der Mann wurde sich dieser Tatsache nicht bewusst. Seine Augen waren noch nicht geöffnet worden, und obwohl er nun eines Partners bedurfte, der die Hälfte oder den anderen Pol der zur Fortpflanzung erforderlichen Kraft besaß, die er zurückbehielt, um damit Organe zu erbauen, so kannte er zuerst auch seine Frau nicht. Im gewöhnlichen Leben war er, soweit die physische Welt in Betracht kam, in sich abgeschlossen. Indem er aber in eine so innige und enge Berührung mit einem anderen Menschen kam, wie dies beim Zeugungsakt der Fall ist, änderte sich dieser Zustand. Dann durchdrang der Geist (spirit) für einen Augenblick den Schleier des Fleisches, und Adam erkannte seine Frau. Er hatte aufgehört, sich selbst zu kennen, sein Bewusstsein fand mehr und mehr seinen Mittelpunkt in der Außenwelt, und er verlor die innere Wahrnehmung.

Sie kann erst dann vollständig wiedergewonnen werden, wenn er jene Stufe erreicht hat, auf der er keinen Partner mehr zur Zeugung benötigt und seine gesamte schöpferische Kraft mit Hilfe des Willens gebrauchen kann. Dann wird er wieder sich selbst erkennen, wie einst im Stadium seines pflanzenähnlichen Zustandes, doch mit dem sehr wichtigen Unterschied, dass er seine schöpferische Fähigkeit bewusst anwenden wird und dies nicht allein zur Schöpfung seiner eigenen Art, sondern zur Schöpfung dessen, was er will. Seine gegenwärtigen Zeugungsorgane wird er dazu nicht verwenden. Der Kehlkopf wird das schöpferische Wort sprechen, das vom Geist durch den mitwirkenden Mechanismus des Gehirns geleitet wird. So werden die beiden Organe, die durch je eine Hälfte der schöpferischen Kraft erbaut wurden, mit der Zeit zu dem Mittel werden, durch das der Mensch, in angemessener Zeit schließlich zum unabhängigen, selbstbewussten Schöpfer wird.

Schon in unserer Zeit kann der Mensch die Materie durch seine Gedanken und durch seine Stimme formen. Das ist durch wissenschaftliche Versuche bewiesen worden, in denen durch Gedanken auf einer fotografischen Platte Bilder hervorgerufen wurden und wo im Sand (auf einer Glasplatte) durch die menschliche Stimme geometrische Figuren gebildet wurden usw. Je selbstloser der Mensch wird, um so mehr wird er die gefesselte schöpferische Kraft befreien. Das wird ihm vermehrte Gedankenkraft geben und ihn befähigen, sie zur Hebung anstatt zur Unterwerfung anderer zu verwenden. Er wird lernen, wie er sich selbst zu beherrschen habe, und aufhören zu versuchen, andere beherrschen zu wollen, außer wenn es sich vorĀŸbergehend um deren Wohl handelt, jedoch niemals aus einem selbstsüchtigen Grund. Nur jemand, der sich selbst beherrschen kann, ist befähigt, über andere zu herrschen, und berufen zu entscheiden, wann und wie Herrschaft auszuüben ist.

So sehen wir, dass die gegenwärtige begierdenerfüllte Fortpflanzungsweise von einer reineren und wirksameren Art abgelöst werden wird. Auch das wird durch das Rosenkreuz symbolisiert, das im Mittelpunkt zwischen den vier Armen die Rose trägt. Der lange, senkrechte Teil des Kreuzes stellt den Körper, die zwei horizontalen Teile die beiden Arme und das obere Glied den Kopf dar. Die Rose sitzt an der Stelle des Kehlkopfes.

Die Rose, ist wie jede andere Blüte, das Fortpflanzungsorgan der Pflanze. Ihr grüner Stiel trägt das farblose und leidenschaftslose Pflanzenblut. Die blutrote Rose zeigt das leidenschaftserfüllte Blut der menschlichen Rasse, doch ist in der Rose der Lebensstrom nicht sinnlich, sondern keusch und rein. So ist sie ein herrliches Sinnbild der Zeugungsorgane in dem reinen und heiligen Zustand, den der Mensch erreichen wird, wenn er sein Blut von der Begierde gesäubert und gereinigt hat, wenn er keusch, rein und Christus gleich geworden ist.

Darum sehen die Rosenkreuzer voller Sehnsucht dem Tag entgegen, an dem die Rosen auf dem Kreuz der Menschheit erblühen werden, und deswegen begrüßen auch die Älteren Brüder die strebende Seele mit den Worten des Rosenkreuzergrußes: "Mögen die Rosen blühen auf deinem Kreuze", und darum wird auch derselbe Gruß in den Versammlungen der Gemeinschaftszentren vom Leiter an die versammelten Schüler, Prüflinge und Jünger gegeben, die den Gruß mit: "Und auch auf deinem" erwidern.

Johannes spricht von seiner Reinigung (1. Joh. 3,9 King James Übersetzung) wenn er sagt, dass er, der aus Gott geboren ist, nicht sündigen kann, denn er behält seinen Samen in sich. Zum Fortschritt ist es eine unbedingte Notwendigkeit, dass der Anwärter keusch sei. Es muss aber auch festgestellt werden, dass vollständige Ehelosigkeit vom Menschen erst dann verlangt wird, wenn er eine Stufe erreicht, auf welcher er reif für die großen Einweihungen ist, und dass es eine Pflicht gegenüer der Gesamtheit ist, die Rasse fortzupflanzen. Wer geistig, moralisch, physisch und finanziell dazu fäig ist, kann an den Zeugungsakt als an ein heiliges Opfer herantreten, das er auf dem Altar der Menschheit darbringt. Man darf jedoch in der Vereinigung nicht sinnliches Vergnüen suchen. Auch soll dieses Opfer nicht in einem strengen, verschlossenen Gemüszustand vollzogen werden, sondern in freudiger Aufgabe seiner selbst, fü das Vorrecht, einen Freund, der Wiedergeburt sucht, mit einem Köper und einer Umgebung zu versehen, die er zur Entwicklung benöigt. So werden wir auch ihm helfen, die blüenden Rosen auf seinem Kreuz zu pflegen.

Fortsetzung:

Die Kraft zu Heilen



Kosmo Konzeption


Die kosmische Konzeption - eine Philosophie über das Warum im Leben - beantwortet und vermittelt uns in klaren und einfachen Worten das Basiswissen der Weisheitslehre der Rosenkreuzer und stellt für jeden Menschen, der auf der Suche nach seiner Lebensaufgabe ist, einen Goldschatz an Informationen dar. Sie ist ein umfassendes Nachschlagewerk für alle, die sich mit den grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens befassen - dazu zählen ganz persönliche als auch weltliche Fragen. (716 Seiten, gebunden)

Autor: Max Heindel
ISBN: 978-3-906414-00-3
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